Ich bin Soziokultur, weil ich hier meine Ideen umsetzen kann.

Soziokultur im ländlichen Raum: Im Charlottenhof wird Kultur zu Begegnung

Charlotte Beran wuselt von A nach B im großen Festsaal des Charlottenhofs in Klanxbüll. Noch ist es still. Am Rand des Saals stellt sie Stellwände auf, richtet die kleine Ausstellung ein und bereitet den Büchertisch vor, der ihren Anti‑Mobbing‑Themenabend begleitet. Danach folgt die Bühne: Licht, Technik, letzte Checks. In wenigen Stunden wird der Saal gefüllt sein – mit Menschen aus Klanxbüll und den umliegenden Dörfern.

Charlotte ist aufgeregt, denn diese Veranstaltung hat sie im Rahmen ihres FSJ Kultur komplett selbst geplant – von der ersten Idee über die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Kostenplanung. Für die fachliche Expertise hat sie den „Klub der Gewinner“ eingeladen, eine Initiative, die sich bundesweit ehrenamtlich gegen Mobbing engagiert. Vorträge, ein Film und ein Poetry‑Slam beleuchten das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

„Mir ist wichtig, dass niemand allein mit dem Thema bleibt. Kultur kann da Türen öffnen“, sagt Charlotte, die eigentlich aus Süddeutschland kommt und sich bewusst für ein Jahr im Norden entschieden hat. Ihr Projekt zeigt, das Soziokultur Menschen stärkt und junge Menschen inspiriert eigene Themen sichtbar zu machen, die im Alltag oft keinen Raum finden.

Wenn kleine Orte Großes bewegen

Der Charlottenhof liegt im nördlichsten Zipfel Deutschlands – nur wenige Kilometer von Sylt entfernt. Der historische Hof gehörte rund 250 Jahre zu einem großen landwirtschaftlichen Betrieb, heute ist er Kultur‑ und Tagungshaus der Gemeinde Klanxbüll. Wenn der Festsaal nicht gerade für eine Hochzeit genutzt wird, organisiert der Verein Freunde des Charlottenhofes e. V. Lesungen, Konzerte und Themenabende zwischen Anfang April und Ende Dezember. Danach geht der Charlottenhof in Winterpause – der Saal lässt sich dann nicht kosteneffizient beheizen.

Der Verein zählt 200 Mitglieder, wobei das Engagement von etwa 40 Ehrenamtliche die Veranstaltungen erst ermöglichen – ob hinter der Bar, am Grill, an der Technik oder am Empfang – das Team ist mittlerweile gut eingespielt. Viele Gäste kommen nicht nur für die Veranstaltungen, sondern für den herzlichen Schnack mit neuen und alten Bekannten – manchmal sogar aus Husum oder von Sylt.

Soziokultur, die Räume öffnet

Der Charlottenhof zeigt, wie wichtig solche Orte sind – gerade dort, wo Wege weit sind und Kultur nicht selbstverständlich ist. Genau hier liegt die Kraft der Soziokultur im ländlichen Raum: Sie schafft Räume, in denen Menschen sich begegnen, ihre Themen einbringen und Kultur gemeinsam gestalten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

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